Endstation Crack: Produktaktivierung |
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Stellen Sie sich vor, Sie haben sich einen neuen Krimi gekauft und freuen sich darauf ihn zu lesen. Doch zu früh gefreut: Vor dem Lesen müssen Sie den Verlag anrufen, um einige Daten durchzugeben: eine eindeutige Buchnummer, Ihre Adresse und Telefonnummer. Plötzlich sagt Ihnen eine freundlich geschulte Verlagsmitarbeiterin, dass Sie das Buch nun leider nicht lesen dürfen -- weil Adresse und Telefonnummer nicht übereinstimmen oder Ihre Ausgabe bereits für eine andere Adresse vorgemerkt ist. Lachend werden Sie den Hörer auflegen und anfangen zu lesen, denn Sie haben ja für das Buch bezahlt und sind der festen Ansicht, dass Sie mit etwas, wofür Sie bezahlt haben, tun und lassen können, was Sie wollen. Außerdem kann es der Verlag nicht wirklich verhindern -- bei Software ist das anders. Ein Anwender berichtet beispielsweise: "Kürzlich bastelte ich an meinem Windows-PC herum; ich ersetzte ein CD-ROM- durch ein DVD-Laufwerk und fügte eine weitere SCSI-Festplatte hinzu; dazu musste ich das LVD- Kabel des gesamten Subsystems ersetzen. Nach dem Umbau bootete ich den Rechner neu und startete FrontPage; statt rasch mein Dokument einhacken zu können, präsentierte mir das Programm folgenden Dialog: ‚Microsoft Office XP Professional mit FrontPage hat eine bedeutende Änderung in Ihrer Konfiguration festgestellt. Sie müssen Ihr Produkt reaktivieren, damit Microsoft Office XP Professional mit FrontPage weiterhin korrekt funktionieren kann’"
Nur ein Rechner Immer mehr Software-Hersteller führen die Produktaktivierung ein, die genau das bewirkt. Software wird fest mit einem Rechner verbunden. Sobald der Anwender das Programm auf einem neuen Rechner einsetzen will, kann es Probleme geben. Microsoft, seit Windows XP der Wegbereiter dieser Technik, hat soeben die Richtlinien verschärft: Käufer einer OEM-Version, können die Aktivierung nicht mehr online vornehmen, sondern nur noch über die (kostenlose) Hotline. Als OEM-Versionen (= Original Equipment Manufacturer) bezeichnet man Programme, die mit einer bestimmten Hardware ausgeliefert werden. Das ist bei den meisten PCs und Laptops der Fall: Windows ist vorinstalliert. Für die Vollversion muss der Kunde einen Aufpreis bezahlen. Microsoft argumentiert schon lange, dass eine OEM-Version mit der Hardware für alle Ewigkeit verbunden ist und beispielsweise nicht ohne diesen weiter verkauft werden darf. Das wurde allerdings juristisch erfolgreich angefochten. Im Leitsatz heißt es: "Ist die Programmversion durch den Hersteller oder mit seiner Zustimmung in Verkehr gesetzt worden, ist die Weiterverbreitung aufgrund der eingetretenen Erschöpfung des urheberrechtlichen Verbreitungsrechts ungeachtet einer inhaltlichen Beschränkung des eingeräumten Nutzungsrechts frei." Der Besitzer einer OEM-Version darf diese auch ohne PC verkaufen, wenn er sie selbst nicht mehr verwendet. Das nutzt ihm freilich nicht viel, denn er bekommt meistens nur eine Backup-CD, mit der er sein System wieder herstellen kann. Das Backup funktioniert aber nicht so ohne weiters auf anderen Rechnern. Vorteil der OEM-Version ist zuerst einmal, dass sie bereits aktiviert ist und der Kunde damit nicht belästigt wird. Das trifft ihn erst, wenn er das Backup wieder herstellt, weil z.B. ein Virus sein System zerstört hat. Diese Aktivierung kann er nunmehr nur per Telefon durchführen. Dort wird er sich unter Umständen Fragen gefallen lassen müssen, wie: "Wann und wo haben Sie das Programm erworben, warum aktivieren Sie es auf einem fremden Rechner." Aber nicht immer ist es ein neuer Rechner, der einen Alarm auslöst. Bereits wenn im alten Rechner ein paar Hardware-Komponenten geändert werden, kann es Probleme geben. Letztendlich wird Microsoft dem Anwender die erneute Aktivierung nicht verweigern können, denn die Firma kann es sich ohne weiteren Nachweis nicht leisten, einen zahlenden Kunden auszusperren. Das Unternehmen wäre unter Umständen sogar schadensersatzpflichtig. Aber schwer wird es ihm gemacht. Sinn und Zweck ist es wohl, den oben erwähnten Rechtanspruch des Wiederverkaufs technisch zu erschweren. Denn eine OEM-Version eignet sich als kommerzielle Raubkopie eher wenig. Hier kommen eher Unternehmenslizenzen in Frage, bei denen auch keine Aktivierung erforderlich ist.
Raubkopien gehen zurück Allgemein stellt sich die Frage nach dem Nutzen von Aktivierungen. Denn zu einem Rückgang von Raubkopien haben sie nicht beigetragen. Die Zahlen sind in der Tendenz seit Jahren leicht rückläufig, bzw. haben 2001 mit der Einführung der Aktivierung durch Microsoft leicht zugenommen. Eine besonders Restriktive Variante der Aktivierung kommt von Adobe. Während es bei Vollversionen von Microsoft im Alltag wenig Probleme bei einem Rechnerwechsel gibt, gilt für Adobe Acrobat 7 folgende Regel: Der Anwender muss das Programm auf einem Rechner erst deaktivieren, bevor er es auf einem neuen wieder aktivieren kann. Andere Hersteller bieten auch eine Deaktivierung an, aber mehr als Komfortfunktion, um das spätere Aktivieren auf dem neuen Rechner zu erleichtern. Bei Macromedia etwa heißt es in den FAQ: "Mein Festplattenlaufwerk funktioniert nicht mehr. Kann ich die Software neu installieren und aktivieren, obwohl ich sie nicht deaktiviert habe? -- Normalerweise kann die Software problemlos neu aktiviert werden." Anders bei Adobe: "Ich habe keinen Zugriff auf den Rechner, auf dem ich Acrobat 7.0 ursprünglich aktiviert hatte. Kann ich die Aktivierung trotzdem auf einen neuen Rechner übertragen? -- Wenn Sie keinen Zugriff mehr auf den Rechner haben, auf dem die Software ursprünglich aktiviert wurde, können Sie das Produkt meistens nicht mehr auf dem neuen Rechner aktivieren." In vielen Fällen ist es aber nicht möglich, an die Daten noch einmal heranzukommen. Eine Virenattacke kann das System zerstört haben oder der Käufer des gebrachten Produkts kommt nicht mehr an den Verkäufer heran, der die Deaktivierung versäumt hat. In diesen Fällen ist man gezwungen, mit dem Support am Telefon herumzudiskutieren, dass man bitte sein legal erworbenes Produkt normal verwenden darf. Man kann nur hoffen, dass sich nach dem Kauf von Macromedia durch Adobe die eher kundenfreundliche Linie von Macromedia durchsetzt.
Wenn nichts mehr hilft Viele Anwender stellen sich auch die Frage, was geschieht, wenn der Hersteller Pleite geht und damit die Aktivierung nicht mehr durchführen kann. Diese Frage ist bei Firmen wie Microsoft wohl eher theoretischer Natur. Aber auch immer mehr kleinere Software-Häuser verlangen ihren Kunden eine Aktivierung ab. Eine recht überheblich klingende Antwort fanden wir auf der Webseite der Musiksoftware Capella: "Selbst für den extrem unwahrscheinlichen Fall, dass wir unser Unternehmen schließen müssten, gäbe es sicher einen Rechtsnachfolger; sollte es den auch nicht geben und die Welt trotzdem noch existieren, würden wir z.B. durch einen von uns bereitgestellten Patch dafür sorgen, dass die Software ab jenem Zeitpunkt auch ohne Aktivierung läuft." Einen derartigen Patch versprechen immerhin die meisten Firmen. Doch bei vielen Anwendern bleibt ein schlechter Geschmack. Denn letztendlich fühlen sie sich um die freizügige Nutzung eines rechtmäßig erworbenen Produktes betrogen. Noch nach Jahren mischt sich der Hersteller in die private Sphäre ein (Firmenlizenzen sind oft frei von Aktivierung) und droht theoretisch den Hahn zuzudrehen. Als die neue Symantec-Aktivierung in den ersten Tagen nicht funktionierte, schimpft ein Anwender: "Na klasse! Da wird man nicht nur von vornherein als potenzieller Raubkopierer verdächtigt, man darf dann auch noch Zeit und Geld investieren, damit das Produkt überhaupt erstmal funktioniert, weil der Hersteller offenbar keine Ahnung von Software-Qualität hat." Es verwundert nicht, dass viele User in den Foren folgendes empfehlen: "Ach, was macht Ihr Euch alles soviel Gedanken ob ... Holt Euch reset02... ODER besorgt Euch das neue Suse 9.3." Reset02 war ein Crack, um die Aktivierung auszuhebeln. Dieser existiert nicht mehr, aber eine Vielzahl von Crackerseiten bieten Ähnliches, z.B. armenische Webseite Crackz Security Software Center. En anderer Anwender: "Ich sage nur wenn mich die Software mit Produktaktivierung nervt, heißt meine Antwort: Crack oder Keygen. Wenn ich Software kaufe, will ich sie auch nutzen können, ohne dass ich bei einer Neuinstallation Gott und die Welt anrufen muss, damit sie wieder funktioniert. Wen wollen die damit aufhalten -- professionelle Raubkopierer? Das hat schon bei MS nicht funktioniert. Produktaktivierung bei Software ist nur dazu da um normale User zu nerven." Dieser Aspekt hat sich auch bei manchen Softwareherstellern herumgesprochen, die auf eine Aktivierung verzichten. Marc Vos, Produkt Marketing Manager bei McAfee, etwa erklärt auf die Frage, warum die Firma auf Aktivierungen verzichtet: "Ein wichtiger Aspekt für unsere Entscheidung stellt der Aufwand dar, den ein Nutzer für den Vorgang der Aktivierung investierten muss. Der ist schlicht und einfach zu hoch. Die Gefahr, vor allem Neukunden durch das zeitraubende Ausfüllen umfangreicher Registrierungsmasken doch noch zu verlieren, erscheint uns derzeit zu hoch. Dies belegt auch die Erfahrungen eines namhaften Security-Anbieters, der nach Einführung der Produktaktivierung im vergangenen Jahr den Weggang zahlreicher Bestandskunden zu beklagen hatte." Eric Sink, Geschäftsführer von SourceGear, berichtet in einem Artikel über das erfolgreiche Verkaufen von Software: "Source Gears Erfahrung mit der Produktaktivierung war sehr unbefriedigend: Die Aktivierung erhöhte die Last unseres technischen Supports und brachte uns mehr Kode ein, den wir pflegen mussten. Falls wir irgendwelche Vorteile durch hatten, blieben sie uns verborgen. Wir schmissen sie mit der Version Vault 3.0 hinaus. Es macht nicht nur mehr Sinn, dem Kunden zu vertrauen, es ist auch weniger Arbeit." -- die zu bezahlen letztendlich beim Kunden hängen bliebt, wie Vos von McAfee ergänzt.
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Letzte Änderung: 1. Februar 2006 |