Keine Hintertüre für Open Source

 

In Reaktion auf die Terroranschläge in den USA fordern Politiker, sichere Verschlüsselung zu verbieten. Judd Gregg, republikanischer Senator des US-Bundesstaats New Hampshires, begründet seine Forderung am 13. September vor dem US-Senat mit den Worten: Es sei nötig, "dass wir die Informationen bekommen, die es uns erlauben, so etwas, wie es in New York geschehen ist, zuvorzukommen."

Bundesinnenminister Otto Schily stellte die deutschen Datenschutzstandards am 16. September in der ARD in Frage. Es darf nicht sein, dass der Staat Daten nicht nutzen kann, um Terroristen unter Kontrolle zu bekommen, so Schily. Da liegt er auf einer Linie mit dem bayerischen Innenminister Günther Beckstein und dem bayerischen Datenschutzbeauftragten Reinhard Vetter, die sich ebenfalls um eine Eingrenzung des Datenschutzes bemühen.

Bei Sicherheits-Programmen mit offenen Quellen ergeben die geplanten Hintertüren der Geheimdienste Probleme. Sind die Quellen offen, lassen sich Hintertüren leicht entfernen. Die Konsequenz wäre, dass Programme wie GnuPG, OpenSSH oder OpenSSL offiziell verboten wären. Das Bundeswirtschaftsministerium empfiehlt hingegen GnuPG seit Monaten ganz offiziell. Vor dem 11. September war es ein Ziel der Regierung, Vertrauen für den E-Commerce zu schaffen.

Andersherum: Wenn die Hintertüren in den Quellen offen liegen, können Angreifer leichter eindringen. Terroristen beispielsweise. Manche Firmen setzen Software mit Hintertüren ein, um ihre Mitarbeiter zu kontrollieren. Ein Beispiel ist die kommerzielle Variante von PGP, deren Hintertüren mehrere Sicherheitslücken boten.

Gegen eine Beschränkung des Datenschutzes wehrt sich Joachim Jacob, der Bundesbeauftragte für Datenschutz. In der Frankfurter Rundschau vom 14. September warnte er davor, im Zuge der Diskussion um die innere Sicherheit, die Bürgerrechte einzuschränken. Die Befugnisse des Staates seien völlig ausreichend.

Perry Metzger, Chef von Wasabi Systems, äußerte im amerikanischen Online-Magazin Wired ebenfalls Bedenken: "Wir müssen uns daran erinnern, dass wir nicht die Freiheit schützen können, indem wir sie beseitigen." Die New Yorker Firma Wasabi vertreibt NetBSD und ihr Büro wurde durch den Anschlag unmittelbar geschädigt.

 

Meldung in den Linux-News des PC-Magazins 11/2002.

 

 

Letzte Änderung: 1. Februar 2006
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