„Oft verhalten sich Täter konspirativ" |
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Interview mit Rudolf Proschko, Leiter Spionageabwehr beim Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz
Woran erkennen Unternehmer, dass Spione aktiv sind? Proschko: Man erkennt Spione nicht mehr an Sonnenbrille und Schlapphut ... ... schön wär's ... Proschko: ...das hat es in echt auch so nie gegeben. Spione haben mittlerweile die Möglichkeit, von jedem Ort der Welt aus einen gezielten Angriff zu starten. Das große Problem dabei ist, dass der Firma der Know-how-Verlust gar nicht bekannt wird. Die Schad-Software zieht Informationen zwar ab, diese sind aber nach wie vor verfügbar. Der Inhaber bemerkt den Verlust zunächst nicht. Das kommt erst zeitverzögert auf ihn zu, denn der Dieb muss die Information erst einmal umsetzen, bis sie schädigende Auswirkungen zeigt. Man merkt es also nicht direkt. Proschko: Genau. Eine Firma muss wissen, hat sie schützenswerte Daten, ist die Produktpalette für einen auswärtigen Nachrichtendienst von Interesse, welche Stellung hat die Firma im Markt, vielleicht sogar ein Monopol? Dann muss sie ein verstärktes Interesse haben, sich entsprechend zu schützen. Verhält sich ein Spion im Unternehmen auffällig? Proschko: Ja, aber oft lässt sich das nicht verallgemeinern. Täter zeigen beispielsweise ein übermäßiges Engagement, aber nicht jeder, der freiwillig Überstunden macht, ist ein potenzieller Wirtschaftsspion. Wir stellen aber fest, dass ein Spion gerne über die offizielle Arbeitszeit hinaus anwesend ist, wenn der Rest der Belegschaft nach Hause gegangen ist. Dann ist er unbeobachtet. Oft verhalten sich Täter konspirativ, es ist ununklar, wo wohnt eigentlich der Praktikant? Seine Herkunft istunklar. Oder der Aussender einer Initiativbewerbung verfügt über ausnehmend gute Zeugnisse, kann beim Einstellungsgespräch das entsprechende fachspezifische Wissen aber nicht präsentieren. Auffällig ist auch, wenn der Betreffende plötzlich einen aufwändigen Lebensstil führt. Er kommt mit dem Cabrio daher oder macht eine teure Weltreise, und kein Mensch hat eine Erklärung, wo er das Geld her hat. Das kann ein Lottogewinn sein, aber auch ein großzügiges Honorar des Mitbewerbers. Ist ein chinesischer Spion immer ein Chinese? Proschko: Nicht immer, aber in der Regel. Chinesen haben aus unserer Erkenntnis heraus eine besonders ausgeprägte Staats-loyalität. Da besteht kein Unrechtsbewusstsein, Dinge zu tun, die hier unter Strafe stehen. Wie schützt sich ein Unternehmer am besten? Proschko: Indem er die Existenz der Wirtschaftsspionage ernst nimmt und die entsprechenden Vorkehrungen trifft. Das heißt, dass er sich Gedanken macht, ob sein Unternehmen relevant ist. Wenn ja, muss er ein Konzept zum Schutz der Informationen erarbeiten. Kann er das selbst nicht, soll er sich an das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz wenden, wir unterstützen derartige Unternehmen gerne. Und wenn er einen Verdacht hat ... Proschko: ... ist er auch gut beraten, sich an unser Haus zu wenden. Wir können die Interessen der Firma wahren und im Gegensatz zur Polizei Vertraulichkeit zusagen.
Artikel in Heft 4/2010 des PC-Magazins.
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Letzte Änderung: 15. Juli 2010 |